Montag, 3. Mai 2010

Vollversammlung – Sieht so Revolution aus?


(Ein bißchen spät, aber trotzdem...)

Am vergangenen Donnerstag fand ab 14:00 Uhr die angekündigte Vollversammlung – die erste seit Ende November 09 - auf dem Campus Westend, dem "schönsten Europas", statt. Da auf die FHler (leider kam nur eine Handvoll) gewartet wurde, ging die ganze Schose erst nach vierzig Minuten wirklich los. Auf dem Platz selbst hatten sich erstaunlich wenige Studenten eingefunden, einige hatten es sich mit einem Eis in der Hand auf den vorher herbeigeschafften Polstermöbeln bequem gemacht. Sehr schnell kam der Verdacht auf, dass die meisten der wenigen Studierenden auch nur da waren, um die Sonne zu geniessen und dies mit einer kleinen Entertainmenteinlage zu verbinden..
Begleitet von einem starken Hall, der wohl charakteristisch für den Platz ist, sprachen sich mehrere Redner gegen die Bildungsetatkürzungen und Zustände an den hessischen Hochschulen aus. Vor dem Campus selbst gab es ein hohes Securityaufgebot, die Zufahrt selbst war versperrt worden.
Die Hauptkritikpunkte waren die Streichung 34 Millionen Euro auf dem Bildungssektor, die es ab 2011 geben soll. Nahezu alle Seminare vor allem der Fachbereiche 03 und 10 sind haltlos überfüllt, Lehramtstudierende dürfen ihre Modulprüfungen nur ein Mal wiederholen und auf einen Dozenten kommen ganze 60 Studenten. Diese Zahl wird sich im kommenden Semester noch mal sehr stark verschieben, wenn gleich zwei Jahrgänge - die, die noch das Abitur über 13 Schuljahre hinweg gemacht haben und die neuen "G8"ler - gleichzeitig ihren Abschluss machen. Desweiteren wurde bemängelt, dass der Campus selbst kein Studienhaus besitzt und die "Architektur" wirkt, als sei die Überwachung der Studierenden das Hauptaugenmerk. In diesem Zusammenhang wollte der Redner eine Abstimmung für oder gegen die Architektur durchführen – es wirkte allerdings, als würde er dies nur des "Effektes" wegen machen und nicht, um seinen Standpunkt zu unterstreichen. Außerdem muss ich hier mal fragen: What's the point? Geändert wird eh nichts mehr. Leider hatte er seine Rede, genau wie der nach ihm sprach und fast alle anderen leise und monoton vorgelesen, die Rede selbst wirkte, als hätten sich eine Arbeitsgruppe zusammen gesetzt, um besonders rhetorisch ausgefeilte und pathetische Sätze zu produzieren. Eine weitere Sprecherin, dieses Mal von der GEW, der Bildungsgewerkschaft, richtete uns "solidarische Grüße" aus. Danke, ge.
Ein Marburger schilderte danach, übrigens endlich mal frei und interessant dargestellt, die Situation an seiner Hochschule. Diese hat jetzt schon ein Haushaltsloch von 6 Millionen Euro und jedes Jahr kämen weitere 3 Millionen dazu, die Uni selbst sei schon zu 150% ausgelastet. Sehr theatralisch beendete er seine Rede mit "5 Gruppen (gemeint die Studenten, Professoren, Angestellten etc.) - 1 Problem, 5 Finger – 1 Faust!" und machte die entsprechende Handgeste dazu. "Holger, der Kampf geht weiter" sag ich nur. Aber wenigstens bemühte der Junge sich, die Massen zu mobilisieren.
Seiner Nachfolgerin konnte man wieder kaum folgen, nicht genug damit, dass sie wieder nur ablas,und das auch noch im Sitzen... die von mir aufgeschnappte Information: Hessen hat genug Geld für neue Waffen für seine Polizisten (10 Millionen wurden kürzlich ausgegeben) aber nicht für die Bildung. Ein weiterer Referent erzählte uns, dass in Bochum 75 Millionen Euro an den Schulen gekürzt würden und an unserer FH schon Kosten in Höhe eines Fachbereichs eingespart werden würden, an der Uni selbst ganze 13 Millionen.
Während dieser Rede, gegen Ende der einstündigen Veranstaltung ging ein Mädchen die Studentengruppen durch und forderte konspiratorisch alle auf, später dem "Transpi" zu folgen um eine "Sponti" zu machen. Aha, ja gut.
Desweiteren wurden den Studenten, die noch zuhörten, erzählt, dass eine Studentin von einer von der Decke fallenden Platte beinahe erschlagen worden wäre und dass in einigen Räumen auf dem ockenheimer Campus Planen aufgehängt wurden, um das Regenwasser, das durchtropfte, aufzufangen. Durchaus keine netten Bedingungen, unter denen wir studieren müssen, Herr Koch. Abschliessend hieß es noch "Weniger Minus ist immer noch Minus!" und "Wir hören erst auf mit der Scheiße, wenn der Scheiß aufhört!" Richtig so, immer draufhauen..!
Am Ende wurde eine Resolution vorgelesen, die besagte, dass die Studenten 10% mehr Geld für den Bildungsbereich fordern. Per Abstimmung stimmte man dieser Resolution zu, wobei es wirkte, als würden die meisten "einfach so" die Hand heben, ohne überhaupt noch zugehört zu haben. Naja.. Dann stand ein Bruchteil der Meute auf und folgte, wie zuvor gebeten, dem "Transpi".
Insgesamt war die Veranstaltung, sorry meine Lieben, sehr enttäuschend und das, wo das Thema doch so wichtig ist. Langweilig vorgetragene Reden, wenige Interessierte, noch weniger auf der Demonstration und wäre das Wetter nicht so gut gewesen, hätte sich bestimmt kaum einer blicken lassen. Schade, schade, schade, die 68er waren wohl ein Vorbild, dem unsere Generation nicht im geringsten entspricht. Aber, (wie der Marburger) hauptsache mal die Faust ballen! Das wirkt zumindest theatralisch.

Nächster Termin: 05. Mai, 19:30, Bockenheim, Studierendenhaus – Wie kann man den Campus Bockenheim retten/zurückerobern?

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