Mittwoch, 10. August 2011

Kuba im Allgemeinen

Uff. Also, wer Kuba-Fan ist, sollte jetzt nicht weiterlesen. Oder erst recht.
Kuba ist kulinarisch, politisch, kulturell und, zumindest als ich da war, klimatisch gesehen nicht unbedingt ein empfehlenswertes Land. Die Häuser, teilweise wirklich wunderschön, sind verfallene Ruinen, in denen die Menschen auf kleinstem Raum leben müssen. Da direkt hinter der Haustür das Wohnzimmer beginnt und zumindest im Sommer die Türen offen gelassen warden und für jeden Vorbeigehenden somit die Wohnungen sichtbar sind, kann man sich da quasi ein direktes Bild machen. Kuba, vor allem Havanna, stinkt leider ziemlich, die Straßen sind in wirklich katastrophalen Zuständen, es gibt wenig Supermärkte (und die haben teilweise nicht mal Wasser) und viele Cafés oder “Restaurants” können dir nicht mal eine Papierserviette geben.Ich bin ja gegen Gentrifizierung, aber ein bisschen davon würde Kuba nicht schaden. Es ist traurig um die einst wirklich prächtigen Gebäude, denn diese zerfallen alle nach und nach.Überall im Land, auf Plakaten und auf Wände geschrieben, befinden sich propagandistische Slogans wie patria o muerte! (Vaterland oder Tod), socialismo!, viva la revolución!, gracias che! und ähnliche Sprüche. Bei einem musste ich in der Tat schmunzeln: “Diese absurde erste Welt verbraucht dreiviertel der weltweit hergestellten Energie.” Ob die Kubaner diese Propaganda wirklich verinnerlicht haben und daran glauben, ist als Aussenstehender schwer einzuschätzen. Auch in den casas particulares, den Privatwohnungen, in denen ein bis zwei Zimmer an Touristen vermietet werden, hat man zumindest in unserer Gegenwart nicht über Politik geredet.Der Informationsfluss hier ist schleppend. Kuba ist wie ein Inselgefängnis abgeschnitten von der Aussenwelt. Es gibt in Sachen Zeitungen eigentlich nur die Granma, und die wird von der Regierung herausgegeben und der Internetzugang ist selbst für Touristen erschwert. Wir mussten in ein teures Hotel gehen, um dort eine Stundenkarte zu kaufen, die den Festpreis von 6 CUC (über 4 Euro!) hat. Einer der Männer aus den casas particulares erzählte, dass es in seiner Heimatstadt Santa Clara bei 300.000 Einwohnern nur sieben Computer gibt! Achja, Facebook war gesperrt.Woran ich mich auch nur schwerstens gewöhnen konnte, ist der in 3. Weltländern übliche Usus, benutztes Toilettenpapier in den Mülleimer und nicht ins Klo zu schmeissen. Brrrrr!
Essen: FURCHTBAR! Schlimm, schlimm, schlimm! Ausser Hühnchen mit Reis scheint es kaum was zu geben, die Auswahl an Obst ist erstaunlicherweise auch unglaublich beschränkt, Salz oder gar Gewürze scheinen nicht von Interesse zu sein und selbst jemanden wie ich, wo ich mein Fleisch gerne schuhsohlenartig essen, konnte kaum an dem zähen Fleisch gefallen finden, das mehr an ein zwanzig Jahre lang getragenen Stiefel erinnert. Nicht mal die Chips schmecken und die Soft Drinks sind so überzuckert, dass man nur beim Anblick schon Diabetis bekommt. Also, von wegen kreolische Küche und so. Auch in Restaurants, die der Lonely Planet, den übrigens ALLE Touristen bei sich tragen, bekommt man kaum etwas runter. Beispiel: Ich hatte den Fehler gemacht, Spaghetti Bolognese zu bestellen. Warum nehm ich nicht mit Tomatensauce, warummmmm nur? Es war mir nicht definierbar, was für eine Art von Fleisch da benutzt wurde und näher drüber nachdenken wollte ich natürlicherweise auch nicht. Der Käse, der in rauhen Mengen drüber gestreut wurde, schmeckt, als würde er seit zehn Wochen offen im Kühlschrank liegen und ist der einzige, den es auf dieser Insel gibt. Meine Freundin hatte es nicht besser getroffen, sie hatte eine Pizza bestellt, die ihr mit folgenden Beilagen geliefert wurde: Hühnchen, Chorizowurst, Schinken, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln… und dazu natürlich der Käse des Grauens. Mich schaudert’s jetzt noch.
Kubaner: Die Männer, mit denen ich mich ein bisschen unterhalten hatte (eigentlich nur aus den casas particulares), waren wirklich sehr nett, ABER die, die auf der Straße saßen (und scheinbar hatte ganz Kuba nichts anderes zu tun), sind einem so dermassen auf den Sack gegangen, dass ich es gar nicht verschriftlichen kann. Innerhalb von einer Minute wird man als Frau in Kuba, besonders natürlich als Touristin, gefühlte fünfzig mal auf die eine oder andere Art angelabert. Entweder ökonomischer Natur: restaurant?, una moneda por favor!, cold beer?, dinner?, taxi? Bicitaxi! Bycicle! A la playa? You need a taxi? Oder amoröser Natur: novio? Hello? Where are you from? Estas sexy! Hola, lady! Begleitet von Geschmatze, Geschnalze und Gepfeife jeder Art. Die ganz schlauen versuchen beides. Lehnt man das zuerst angebotene Taxi ab, springen sie über auf die Frage novio? (boyfriend). Die Jungs, die sofort aufgeben, sind ja mit dicker Haut noch zu ertragen, aber den Kubanern, die trotz offensichtlichen Desinteresses unsererseits nicht aufhörten mit hello! Hello! Hello! Hello! hätte ich am liebsten meine Tasche um die Ohren geschlagen.
Kubanerinnen: Machen leider, leider grösstenteils den Eindruck, ziemlich hinterhältig und herablassend, vor allem natürlich auch zu ihren eigenen Ehemännern, zu sein. An der Stelle nur ein Beispiel: In einem der casas particulares hatten wir einen Minikühlschrank in unserem Zimmer, aus dem wir gegen einen recht saftigen Aufpreis Getränke entnehmen konnten. Wir nahmen keins, der Kühlschrank blieb gefüllt, aber als wir das Zimmer bezahlen wollte und die Vermieterin nachschaute, war in der Reihe der Dosen plötzlich eine Lücke… komisch, hm?
Naja, so in etwa. Was auch wirklich enttäuschend war: von dem sogenannten “kubanischem Lebensgefühl” mit viel Musik in der Straße und Lebensfreude (entsprungen aus der Not) und so war nichts zu merken. “Buena Vista Social Club”-ähnliche Musik wurde nur gespielt, als man bemerkte, dass wir Touris waren.
Vermutlich ist das Land wunderschön, wenn man sich hauptsächlich auf Natur- und Strandurlaube beschränkt – wobei ein Mietwagen um die 60 CUC, also über 40 Euro pro Tag kostet. Da wir nur Stadttouren gemacht haben, waren wir recht enttäuscht.
Zusammenfassend gesagt, als Erfahrung sehr wertvoll, als Urlaub für’n Arsch… Es war wirklich interessant, ein Land mit so anderem politischen System und damit einhergehend so anderer Mentalität, als man das als Westeuropäer kennt, zu bereisen. Wer aber wirklich SPASS haben will, sollte Kuba als Ziel noch einmal überdenken.

Keine Kommentare: