Freitag, 12. August 2011

La Habana, Kuba

Die weit verbreitete Meinung, Havanna sei für den Besucher eine Art von Zeitreise, ist durchaus nicht unbegründet. Am Straßenrand parkend wie im Verkehr sieht man häufig noch Autos der 50er und 60er Jahre, wobei sich immer mehr auch verhältnismässig neue Modelle darunter mischen.
Die Stadt selbst ist leider sehr zerfallen. Vielleicht eins von zwanzig Gebäuden ist notdürftig restauriert worden. Es gibt ein paar Straßen, die wohl hauptsächlich der Touristen wegen wieder aufgepäppelt wurden wie zum Beispiel die Calle Obispo, die auch in allen Reiseführern empfohlen wird und total überlaufen ist.

Gleich am ersten Tag hatten wir ein Erlebnis besonderer Art. Erschöpft vom stundenlangen Flanieren in der sengenden Hitze, setzten wir uns auf eine Bank im zentral gelegenen Parque de la Fraternidad (=Brüderschaft). Zwei Mädels, die sich als Laura und Irma vorstellten, gesellten sich zu uns und fingen ein Gespräch mit uns an. Im Laufe dessen meinte eine von ihnen, ganz in der Nähe wäre eine Fiesta im Stile des Buena Vista Social Clubs, weil an genau diesem Tag der 6. Todestag von Company Segundo sich jährte. Als ich später nachfragte, wo genau die Fiesta sei, meinten sie “Vamos!” und standen auf. Also folgten wir ihnen. Leider war die Beschreibung nicht gerade zutreffend, den was sie uns präsentierten war eine stinknormale Bar mit Terasse, auf der ein “DJ” Reguetón auflegte. Ähem, ja. Irma zeigte mir ihre libreta, das Büchlein, in dem die ihr zustehenden Essenrationen eingetragen werden. Sie sagte das Gleiche, was auch in allen Kubabüchern steht – die Lebensmittel, die angeblich für einen Monat gedacht wären, reichen nur für zehn Tage. Als die andere, Laura, plötzlich zwei Che Guevara-Münzen der für Touristen schwer zugänglichen moneda nacionál, der Einheimischenwährung, herbeizauberte und uns gab, wurden wir stutzig. Nothing in life is for free. Die beiden erzählten uns, sie würden in einer Zigarrenfabrik arbeiten, die im August wegen den Ferien geschlossen wäre, und von einer cooperativa hier um die Ecke. Weder meine Freundin und ich verstanden genau, was das sein solle und in welchem Zusammenhang sie zur Fabrik stand. Laura verschwand für ein Weilchen und als sie wieder kam sagte sie, die coorperativa würde in einer Viertelstunde schliessen und wir sollten uns beeilen. Bevor wir recht wussten, was geschah, marschierten wir schon hinter ihr her, während die andere auf der Terasse auf uns wartete. Dort angekommen, begrüsste uns ein Typ, der uns in einen Hinterraum führte und damit begann, Kästen verschiedenster Zigarrenmarken vor uns aufzustapeln. Er erklärte uns die Unterschiede der Zigarren und Laura meinte, wenn wir heute, aber nur heute, welche kaufen würden, bekäme sie von genau diesem Typen Lebensmittelmärkchen geschenkt. Wir beide waren total überrumpelt. Mit der Ausflucht, wir hätten nicht genug CUC dabei – was ja auch stimmte – wollten wir uns aus dem Netz befreien, aber der Typ meinte, er nehme auch Euro an. Die hatten uns so geschickt in diese Situation reinmanövriert, dass wir da nicht mehr rauskamen. Da wir eh vorgehabt hatten, Zigarren zu kaufen, ergaben wir uns schlussendlich. Nachdem das Geschäft abgewickelt war, gingen wir zurück, wir beide bezahlten die Getränke von uns Vieren und somit war diese Begegnung auch schon wieder vorbei.
Einer der Besitzer des casas particulares, in dem wir wohnten, ein netter, junger Kubaner, erzählte uns, dass es bis vor wenigen Jahren nur wenig mehr als zwanzig solcher Einrichtungen in der Altstadt, Habana vieja, existiert hätten und dass es inzwischen mehr als 300 casas particulares gebe. Bei den paladares, den Privatrestaurants, in denen man quasi im Wohnzimmer bewirtet wird, sähe die Situation ähnlich aus. Ob das was mit Raúl zu tun hat?
Abends trifft sich vor allem die Jugend am malecón, der kilomaterlangen Strandpromenade. Das ist wirklich ganz nett, am direkt am Meer zu sitzen. Schade ist, dass Havanna keinen Strand besitzt.
Ansonsten gibt es nicht viel hier zu tun. Die wichtigsten Sachen hat man nach SPÄTESTENS drei Tagen gesehen. Die Stadt könnte wunderschön und unglaublich aufregend sein, wenn sie nicht so eine Ruine wäre. So hat man bei jedem Schritt die Befürchtung, einer der maroden Balkone könne einem gleich auf den Kopf stürzen. Schade.


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