Mittwoch, 9. Mai 2012

Abgerippt!

Auf vielen Blogs und Internetpräsenzen der Frankfurter Medien wurde diese Ausstellung (Vernissage?) groß angekündigt (siehe unten): Abgerippt! bzw. Tokat auf türkisch in der Friedrich-Stoltze-Schule nahe Konstablerwache.
Hmm. Nun ja. Zum Glück wurde ich von zwei Freunden, die die Frankfurter bzw. Bernemer Gangszene in den 90ern "live" miterlebt haben, schon vorgewarnt, dass die Ausstellung nicht so spektakulär ist, wie sie im Vorfeld präsentiert wurde. Mit so negativer Erwartungshaltung wurde ich dann doch positiv überrascht. Kurz gesagt: Die Ausstellung versucht, der Gang/Jugendszene (-kultur?) Frankfurts, darunter aus heutiger Sicht erstaunlicherweise Bornheim als Hauptrepräsentant, gerecht zu werden, versucht, sie zu beschreiben und zu erklären. Das gelingt nur in gewissem Maße. Positiv zu vermerken ist, dass sich überhaupt jemand, in diesem Falle Oguz Sen aka Bobby Borderline mit diesem Thema beschäftigt und bemüht sich, es aufzuarbeiten. Leider wird meiner Meinung nach die Jugendkultur oder auch -problematik nicht genug reflektiert. Man muss in dem Zusammenhang natürlich beachten, dass die Ausstellung von der HfG untersützt wird und dass Oguz Sen ein Student an dieser künstlerischen Hochschule ist, die naturgemäß natürlich mehr auf die Visualität einer Angelegenheit setzt. Trotzdem wäre meine Anregung für eine weitere Vernissage dieser Thematik, man möge die 80er und 90er in der Hinsicht doch vielleicht auch psychologisch und soziologisch aufarbeiten und nicht nur rein zu interpretierende Medien darzustellen.
Sei's drum: Schön, dass sich jemand die Arbeit gemacht hat! In einem der beiden Ausstellungsräume in Containern der Friedrich-Stoltze-Hauptschule wird das inzwischen bekannte youTube-Promo auf Dauerschleife abgespielt. Etwas paradox sind die Photos, die offensichtlich dem Video enstammen, da auf diesen, anders als im Video selbst, die Protagonisten mit einem schwarzen Balken über den Augen anonymisiert werden. Dem Video unabhängig werden weitere Photos ausgestellt, bei allen sind die Personen durch besagten Balken mehr oder weniger unkenntlich gemacht. Da die Bilder ungfähr 20 Jahre zurück datieren, sind sie vergrößert dementsprechend pixelig, was der Authentizität glücklicherweise keinen Schaden tut. Desweiteren sind einige Gangnamen und -symbole auf die Wände gesprüht. In einer Ecke werden die jeweiligen (Bomber-)Jacken der damaligen Gruppierungen verbunden mit einem "Hauptwache"-Schild ausgestellt.
In einer Art Zwischenraum laufen verschiedene mehr oder weniger populäre Filme über Gangs wie zum Beispiel "The Warriors". Dazu gibt es unterschiedliche Zeitungsartikel. Leider sind diese von der Qualität her schlecht lesbar und unsortiert wie -kommentiert. Es ist eigentlich hochinteressant, Zeitzeugendokumente zu studieren, aber es wäre trotzdem nett gewesen, ein bisschen Background (mit dem Abstand, den man heutzutage hat) zu liefern.
Im zweiten Raum befinden sich wie gehabt weitere Gangnamen und -logos und noch mehr Photos mit geschwärzten Balken. In der Mitte des Raumes gibt es außerdem einen Glaskasten, in dem authentische (?) Waffen von damals ausgestellt werden, ein Baseballschläger, ein Butterflymesser und vergleichbares.
Resümierend lässt sich sagen, dass die "Abgerippt"-Ausstellung einen guten Ansatz bedient, aber definitiv noch ausbaubar wäre. Wollen wir hoffen, dass sie eine hohe Resonanz erfährt und andere dadurch inspiriert, sich mit diesem interessanten und komplexen Thema der neugeschichtlichen Frankfurter Jugendkriminalität auseinanderzusetzen.

Also: Das ganze ist umsonst und allemal sehenswert
Wo? Friedrich-Stoltze-Hauptschule, Seilerstraße 36, Nähe Konstablerwache, neben dem Odeon Club
Wann? 18:00 - 23:00
Bis? 20. Mai





Alles draußen


Innen darf man leider - warum auch immer - keine Photos machen, wie ich nach diesen beiden informiert wurde




Die Postkarte

1 Kommentar:

skFFM hat gesagt…

"Innen darf man leider - warum auch immer - keine Photos machen, wie ich nach diesen beiden informiert wurde“- Tjaja, wie man im Falle des HR und der FR sieht, galt das Fotoverbot im Innenraum offenbar nur für uns Normalsterbliche.