Samstag, 4. August 2012

Barrio TapBar

Wallstraße 19
Mo - Sa: 18:00 - 01:00

Da ich schon in Spanien gekellnert habe und hier in Frankfurt in mehreren spanischen Restaurants ebenfalls, war es für mich eine Ehrensache, die neueste Errungenschaft der iberischen Gastronomielandschaft in Frankfurt aufzusuchen.
Barrio TapBar nennt sich die Kneipe, situiert mitten in Sachsenhausens Szeneviertel, der Gegend rund um die Brücken- und Wallstraße. Die TapBar kommt schlicht daher, die Fassade ist gelb gestrichen, innen werden die weißen Wände durchbrochen von einigen Steinmauerelementen und kontrastiert mit dunklen Möbeln. Das gefällt mir um einiges besser als die ganzen Kitschstierbilder und die Kitschfischernetze bei den Kitschspaniern. Die Musik besteht allerdings aus den üblichen Kitschsongs. Außerhalb der Bar gibt es wenige Sitzmöglichkeiten, da der Bürgersteig der Wallstraße sehr eng ist und die Tische für zwei, maximal drei Personen gedacht sind.

Der Kellner ist bemüht, aber heillos überfordert. Ganz süß sind die Versuche, die Gerichte richtig auf Spanisch auszusprechen. Er sollte aber lieber die Anstrengung in einen ordentlichen Service stecken. Andauernd sitzen wir vor leeren Gläsern, während ich ihn öfters, obwohl ich mit dem Rücken zum Rest sitze, auf der Straße mit Weinglas in der Hand am rauchen sehe. Soso. San Miguel gibt's hier vom Faß für 3,20 €, ich bleibe aber lieber beim deutschen Radeberger. Die Essenauswahl ist nicht gerade groß; es gibt die Tapas, die es überall halt gibt. Wir bestellen Patatas bravas, Kartoffelecken mit scharfer Soße, Albondigas, Hackfleischbällchen in Tomatensoße und Huevos fritos con chorizo, Spiegeleier mit Chorizowurst.
Die Patatas sind zwar warm, aber nicht gerade knusperig und weichen viel zu schnell in einer orangenfarbenen, dünnen Soße auf, die wirklich nur entfernt scharf ist. Zu allem Überfluß schwimmt als Beilage noch ein langes, schwarzes Haar in der Soße. Lecker. Die Tomatensoße der Albondigas ist gut, mit Erbsen und Karotten, wie es sich für Albondigas auch gehört, die Hackfleischbällchen jedoch sind definitiv nicht selbst gemacht. Zu den Eiern mit Chorizo muss man nicht viel sagen, das kann ich auch, ein leichtes Gericht ohne jeglichen Pfiff präsentiert. Als ich den Kellner auf das Haar hinweise, vergisst es vor Schreck, sich zu entschuldigen und in der nächsten Getränkerunde von drei Getränken eins. Später, als wir die Rechnung bestellen, bekommen wir drei kurze Patxaran ausgegeben und die Bravas werden uns doch nicht berechnet. Ich kann auf den handgeschriebenen Beleg zwar keinen Blick werfen, da der gleich wieder mitgenommen wird, überschlagen gerechnet scheint es aber zu stimmen.

Fazit: Die TapBar kommt mir spanisch, aber nicht spanisch vor. Der Kellner ist zwar sehr bemüht, aber einerseits viel zu aufgescheucht, andererseits viel zu langsam. Mit dem Essen steht und fällt jede Kneipe und die hier fällt leider sehr tief. War wohl nix. Vielleicht ist es ein schlechtes Omen, dass das Journal dieses Restaurant am gleichen Tag erwähnte wie das Vadder. Auch hier: Nein danke, nicht nochmal.

Nachtrag: Die Toiletten waren super, sehr sauber! Aber das reißt es dann halt auch nicht mehr raus.

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