Montag, 6. August 2012

Occupy Camp-Räumung am 06. August

Nachdem auf Facebook von Occupy Frankfurt gepostet wurde, dass die Camp-Räumung begonnen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Willy-Brandt-Platz. Dort fand ich um 14:50 Uhr folgende Situation vor: das gesamte Camp war mit Gittern abgeriegelt, unzählige Polizisten und Medienleute waren vor Ort, ausserhalb der Absperrung waren zahlreiche Aktivisten, die sich zu dem Zeit wegen Arbeit oder ähnlichen Gründen nicht im Camp aufgehalten hatten, Sympathisanten und Schaulustige. Ich lief einmal um die Grünfläche herum und zählte die Polizeiautos. Hinter dem Camp auf der unteren Kaiserstraße waren es neun, auf der oberen Kaiserstraße sechs, die Hautpstraße, die Gallusanlage, beherbergte 14 Wagen und auf dem Willy-Brandt-Platz selber waren es sage und schreibe 22. Ich will nicht ausschliessen, dass es sogar noch mehr waren und ich den ein oder anderen übersehen habe. Auch so waren das über fünfzig Sixpacks!
Im Camp derweil wurde laute Musik gespielt und der Räumung, die laut der Rundschau keine fünf Minuten nach der Verkündung des offiziellen Urteils begann, mit Humor begegnet. Um 15:20 Uhr fand vor dem Camp auf dem Willy-Brandt-Platz die erste Asamblea statt. Im Laufe des gesamten Nachmittages wurden viele Reden gehalten. Oberbürgermeister Peter Feldmann forderte man auf, der Aussage vergangener Woche, er wolle den Rechtsweg beschreiten, Taten folgen zu lassen. Ein Aktivist namens Thomas Occupy erläuterte, dass man die so oft in den Medien beschworene Rattenplage auch ohne, dass die Zelte abgebaut werden, bekämpfen kann und dass es eine dreiste Lüge seitens des Ordnungsdezernenten Markus Frank sei, das Gegenteil zu behaupten. Die kapitalistischen Obrigkeiten würden fadenscheinige Gründe vorschieben, um die Räumung zu rechtfertigen. Es wurde auch bemängelt, dass es eine offizielle Entscheidung der Stadt Frankfurt sei, Roma und Sinti nur die absolut notwendigsten Hilfestellungen zu bieten, dass man sie keinstenfalls unterstützen wollte, aus Angst, es könnten noch mehr nach Frankfurt kommen.
Zwischenzeitlich rief man um kurz nach halb vier die Nachricht zu den Eingeschlossenen im Camp, ab 16:15 Uhr sei das Handy des Ermittlungsausschusses besetzt, der im Falle einer Verhaftung rechtliche Hilfe leisten würde.
Auch ein Gegner von Occupy, der seinen Namen nannte, da er öffentlich zu seiner Meinung stünde, sprach ins Megaphon und hielt eine sehr lange Rede, in der er versuchte, sämtliche Argumente der Bewegung auszuhebeln und meinte, im Artikel 8 des Grundgesetzes sei verankert, dass das Aufstellen von Zelten und Campieren im öffentlichen Raum nur in Ausnahmefällen erlaubt wäre. Desweiteren kritisierte er, dass das gemeinsame Ziel, das am Anfang möglicherweise noch existiert habe, schon lange nicht mehr vorhanden wäre und Occupy Frankfurt somit jegliche politische Legitimation fehle.
Um 16:20 herum wurden die ersten Aktivisten aus dem Camp getragen. Die gesamte Räumung ging sehr langsam vonstatten, vermutlich wollten Polizei und Politik einerseits keine Ausschreitungen verschulden und hofften andererseits, dass die Zuschauer davor das Interesse verlieren und wieder gehen würden. Mehrere Wagen des FES schafften Matratzen, Stühle und anderes Mobiliar davon. Die Aktivisten selbst trugen Kleiderstangen, Bücherstapel und Pflanzen an den Rand des Camps.
Währenddessen ging es vor dem Camp mit den aufgebrachten Reden weiter. Viele Aktivisten, die später gekommen waren, ereiferten sich darüber, dass sie nicht durch die Absperrung gelassen wurde. Den nicht so gut Informierten wurde noch mal erläutert, dass in Deutschland 40 Prozent des Besitzes und Kapitals nur einem Prozent der Bevölkerung gehören würde. Im Durchschnitt besäße jeder dieses einen Prozentes 33 Millionen Euro. Es wurde kritisiert, dass die Medien nicht die Meinung der Gesellschaft abbildeten, sondern diese manipulieren und formen würden, allen voran natürlich die BILD-Zeitung mit ihrer Hetzkampagne und Markus Frank mit seiner "Ratten-, Roma- und Rassistenscheiße".
Die Polizei forderte um 16:50 mit dem Megaphon die Aktivisten unter dem €-Symbol auf, keinen Widerstand zu leisten und sich nicht aneinanderzuketten. Nach und nach wurden immer mehr Okkupisten aus dem Camp getragen. Auch diejenigen, die freiwillig gingen, wurden gewöhnlich von fünf bis sechs Polizisten begleitet. Gegen halb sechs erklomm eine Aktivistin einen Baum und schimpfte aus der Baumkrone heraus weiter. Nach kurzer Zeit kletterte sie wieder runter und wurde sofort weggezerrt. Auch ihrem mehrfaches Bitten, sie loszulassen, da sie freiwillig mitkäme, leistete man nicht Gehör. Viele der Zuschauer und Sympathisanten empörten sich darüber, dass weibliche Okkupisten von männlichen Polizisten und nicht von Politessen abgeführt und weggetragen wurden.
Kurz nach 18:00 Uhr wurde auf 20:00 Uhr am selben Abend verwiesen, an dem eine weitere Asamblea stattfinden würde. Für mich war es das Stichwort, vorerst den Willy-Brandt-Platz zu verlassen, da auch die Akkus von Cam und Handy zu Neige gingen.
Insgesamt kann ich nur einen der Sprecher am Mikrophon zitieren, der meinte, heute wäre die Geburtstunde des neuen Occupy Frankfurts. Egal, wie es weitergeht, nach zehn Monaten Camp ist der Wendepunkt erreicht. Ob die Entscheidung, das Occupy-Camp zu räumen, so schlau war, wage ich zu bezweiflen. Man hat heute wieder erlebt, wie friedlich alle Okkupisten sich verhalten haben. Verbote führen schnell zur Radikalisierung.


Anmerkung: Aufgrund des hohen Aufkommens an Digital-, Handy- und Videokameras habe ich auf die Anonymisierung der Photos verzichtet. Wer seins trotzdem geändert haben will, darf mich gerne anschreiben.








 


 


























Keine Kommentare: