Donnerstag, 18. Oktober 2012

Tour de la créativité

Heute um 16:30, an einem wunderschönen Oktobertag, fanden sich die Teilnehmer der Tour de la créativité, genau wie Variété Liberté eine Promoaktion der Zigarettenmarke Gauloises, an der Friedensbrücke ein, um etwas zum Thema Street Art zu erfahren. Insgesamt waren wir rund zwanzig Leute, Teilnehmer, Organisatorinnen und Tourleiter. Schön fand ich, dass außer der zu erwartenden Zielgruppe auch etliche Ü40-Interessenten dabei waren. Mathias, der sich nach eigenen Angaben seit über zehn Jahren mit Graffitis beschäftigt, war ein wirklich guter Guide, der ausführlich und freundlich erklärte und alle Fragen beantworten konnte.
An der Friedensbrücke erzählte er uns, dass nur drei Künstler eine Dauergenehmigung haben, dort zu sprayen, die anderen unter bestimmten Auflagen der Stadt (das Offensichtliche: keine Darstellungen von Sexismus, Rassismus etc.) aber diese Erlaubnis auch recht leicht erteilt bekämen. Er berichtete, dass der Ursprung des Graffiti in New York sei, wo man anfangs zwecks Wiedererkennungswert überall seinen Namen hingetaggt hätte. Um aus der Masse hervorzustechen, entwickelten sich im Laufe der Zeit die verschiedenen Styles. Als ich fragte, ob es nicht riskant wäre für die Artists, sich für legale Stellen wie der Friedensbrücke zu bewerben, weil man sie mit anderen Motiven mit dem selben Namen in der Stadt in Verbindung bringen könnte, erläuterte Mathias, dass es inzwischen viele Anwälte gebe, die sich auf das Thema spezialisiert und Präzedenzfälle geschaffen hätten. Außerdem kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass der gleiche Tag oder das gleiche Motiv auch vom selben Künstler stammten. Weitere semi-legale Flächen, wo man sich als bewiesener Sprayer austoben kann, gibt es zwar noch an anderen Stellen in Frankfurt, Mangelware sind aber Orte für Anfänger. In Bad Vilbel dafür (wer hätte es gedacht!) gibt es davon gleich drei. Auf die Frage, wie teuer denn das Bemalen einer so großen Wand wäre, meinte er, Klark Kent und sein Team haben insgesamt sechzig Spraydosen (á ca. 4,00 € das Stück) verwendet. Ein ganz schöner Batzen Geld, wenn man bedenkt, dass die Werke nur zwei bis zehn Wochen zu sehen sind.
Um selbst mal eine Spraydose in der Hand zu halten, konnten Freiwillige mit Schutzhandschuhen ausgerüstet sich dann auch als Künstler versuchen. Diese Idee kam gut an und fast alle beteiligten sich begeistert mit mehr oder weniger talentierten Motiven.
Als wir gerade gehen wollten, kam ein junger Punker auf uns zu, der unbedingt wollte, dass man ihm seine komplette Kleidung anmale. Da die Farbe durch den Jeansstoff dringt, sprayte Mathias ihm mit Hilfe eines Teilnehmers nur auf Lederjacke und Schuhe. Lustige Situation!
Danach führen wir zur B-Ebene der Hauptwache. Das besondere an den Tags und Graffitis dort ist, dass manche schon zwanzig Jahre alt sind. In stillem Einvernehmen wurden diese niemals entfernt. Der nächste Tourpunkt war das ehemalige Gefängnis Klapperfeld, das von außen betrachtet wurde. Da es schon recht spät war, hielten wir uns dort auch nicht mehr lange auf. Der Abschluß fand nach fast zweieinhalb Stunden, eine Stunde länger als geplant, in der Berger Straße 6 statt, wo es ein Freigetränk gab. Tour de la créativité und Variété Liberté gehören übrigens, obwohl von der gleichen Firma gesponsert, erst seit diesem Jahr zusammen.
Insgesamt war diese Aktion wirklich nett. Für mich gab es zwar nichts neues zu entdecken, aber einige der Informationen waren wirklich interessant. Außerdem war die Gruppe sehr freundlich und die Mädels und Mathias, die das ganze Projekt leiteten, sehr cool (und das schreibe ich nicht, weil sie das hier vermutlich lesen werden!). Ich bin mal gespannt, ob es vergleichbares nächstes Jahr wieder gibt.


Wand des Teams AK 47

Und die von Klark Kent

Die Teilnehmer schauen dem "Affen-Maler" bei der Arbeit zu

Seine Ausrüstung

Jetzt dürfen wir selbst

Mathias erklärt, welche Effekte die verschiedenen Aufsätze haben


Farbe marsch!



Besprayung eines lebenden Objektes

"Razor", B-Ebene

"Sneck", B-Ebene

Das Datum beweist's: anno 1993!


Am Klapperfeld

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