Freitag, 1. Februar 2013

1-F/Occupy Catalunya: Demonstration in Barcelona

Die Krise in ganz Spanien geht weiter... die sonst nicht gerade als demonstrationsfreudig bekannten Spanier (und ich zähle ausnahmsweise mal die Katalanen zu den Spaniern) haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie auch anders können. 
Bei lauem, frühlingshaften Wetter gab es heute vor allem in Zusammenhang mit der Schwarzgeldaffäre um Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP - Partido Popular, rechts-konservative Partei, die in Spanien an der Macht ist) erneut eine Großdemonstration. Treffpunkt war um 19:00 am Plaça Catalunya, dem zentralsten Platz in Barcelona. Kurz vor halb acht ging es los, die Truppe marschierte die Hälfte der Ramblas hinunter und dann die Straße Ferran entlang zum Plaça Sant Jaume, wo sich sowohl das barcelonesische Rathaus als auch die Generalitat, der Sitz der katalanischen Regierung, befinden. Es waren erstaunlich viele Menschen aller Alterklassen zusammengekommen, die skandierten, man solle die PP illegalisieren, dass sie sich nicht von ihnen repräsentiert fühlen und dergleichen. Mehrere wedelten mit leeren Briefumschlägen, um somit den Mangel an Gehältern zu symbolisieren. Die ganze Straße Ferran, die nicht gerade kurz ist, war voller Demonstranten, die laut "Dimissió!", Abdankung auf Katalanisch, schrien. Auch der Plaça Sant Jaume, der gegen 20:00 erreicht wurde, füllte sich im Nu. Und zimperlich war keiner: neben den üblichen Sprüchen wurde auch "Guillotine!" und "Krieg!" gerufen. Was mir im Gegensatz zu Blockupy-, Occupy- und Studentendemonstrationen in Deutschland auffiel, war die absolute Abwesenheit von Polizeikräften. Während der Zorn der Demonstranten viel größer war, als ich es sonst kenne, war weder Guardia Civil noch die Mossos d'Esquadra, die katalanische Polizei, zu sehen. Nur vor der Generalitat - die Wut richtete sich nicht gegen das Rathaus - waren ein paar Polizisten zu sehen. Nicht nur Rajoy war Zielscheibe der Massen, auch Artur Mas, Generalsekretät der katalanischen Partei CDC und Präsident der Generalitat, wurde zur Abdankung aufgefordert. 
Gegen halb neun setzte man sich dann zur Asamblea, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach wie vor war fast der ganze Plaça Sant Jaume voller Menschen. Viele Redner hielten sich in ihren Beiträgen nicht zurück mit Beschimpfungen ("Ladrones", "Hijos de Puta", "Asesinos"), während die Organisatoren die Leute aufforderten, nicht sinnlos zu fluchen, sondern konstruktive Vorschläge für die Zukunft zu bringen. Es musste einiges besprochen werden: Sollte ein Platz okkupiert werden und wenn ja, welcher? Wie wäre die Logistik? Wäre die Okkupation nur für das Wochenende oder dauerhaft? Sollte es weitere Demonstrationen geben? Gar einen Generalstreik (ein Vorschlag, der mit viel Jubel quittiert wurde)? 
Die Asamblea selbst lief unglaublich friedlich ab, die Leute ließen einander ausreden und anders als auf den Demos in Frankfurt funktionierte die Zustimmung beziehungsweise Ablehnung von Aussagen durch Handzeichen statt Klatschen sehr gut. Ein einziger Typ, der mit seinem Megafon die ganze Zeit die Redebeiträge unterbrach, brachte die Emotionen zum Kochen, da er sich kaum stoppen ließ. Ansonsten wurde friedlich miteinander diskutiert und pros und contras der verschiedenen Pläne erörtert. Es meldeten sich ungefähr dreißig Leute die bereit waren, die Nacht auf einem der Plätze zu verbringen. Der Vorteil des Plaça Catalunyas besteht darin, dass es ein offener Platz ist, der Boden angenehmer zum liegen und die Wasserversorgung und ähnliches leichter zu handhaben ist. Der Plaça Sant Jaume hingegen ist ein geschlossener Platz, auf dem die Okkupierer schnell in der Hand der Polizei wären. Andererseits wurde bemerkt, dass sich rund um den Platz gleich drei Banken (La Caixa, Caixa Catalunya und Santander) befanden und dass es sich außerdem um das Machtzentrum Barcelonas handelt. Es wurde auch diskutiert, ob alle über die Wahl des Ortes abstimmen sollten oder nur die, die wirklich bereit waren, Zelte aufzubauen. Und man überlegte, welche Art der Arbeit diejenigen, die nach Hause gingen, verrichten könnten - hauptsächlich, sich vernetzen und andere informieren. Am Ende, kurz nach halb zehn, sahen die Beschlüsse aus wie folgt: Der Plaça Catalunya wird eingenommen, Arbeitsgruppen gebildet, eine Asamblea morgen um 11:00 wird über das weitere Vorgehen entscheiden und um 18:00 wird von Catalunya aus eine Demo zum Sitz der PP marschieren, die dort um 19:00 eintreffen soll.
Die Wut der Bürger ist ungebrochen. Morgen gibt es zeitgleich, also um 19:00, in Madrid und Málaga Demos gegen die PP. Wenn man den Aussagen Glauben schenken kann, haben die Okkupisten aus vergangenen Fehlern gelernt und wollen dieses Mal alles besser machen, um noch dauerhafter auszuharren. Dieses Wochenende soll es wieder schlechtes Wetter geben... aber trotzdem was das heute erst der Anfang.


Straße Ferran - Dimissió!
Ein voller Plaça Sant Jaume


Infos vor der Demo am Sant Jaume

...ohne Arbeit und ohne Haus

Ramblas

Vor der Generalitat






Alles voll

Dieser Umschlag ist leer - ich will, was mir gehört!

Es reicht!


Asamblea

Der Störenfried wird zurecht gewiesen (Schreie: "Er ist ein Mosso!!" [katalanische Polizei])

Zustimmende Handzeichen


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