Freitag, 20. September 2013

Frankfurt lieben? Frankfurt lieben! Für Neu-Frankfurter.

Frankfurt ist eine Stadt, die polarisiert. Unter Auswärtigen gilt das Klischee, dass keiner freiwillig hierher zieht, sondern nur wegen des Berufs nach Frankfurt geht. Andererseits aber heißt es auch, wer einmal hier war, möchte nicht mehr gehen. Gebürtige Frankfurter zeichnen sich durch eine starke Hassliebe zu ihrer eigenen Stadt aus. Man lästert gerne über sie, verteidigt sie aber vor bösen Worten auch aufs Blut. Frankfurt, eine Stadt der Kontraste und Extreme. Doch neben den gängigen und allseits bekannten Gründen, warum sie doch liebenswert ist, gibt es viel mehr, was unsere Heimat zu bieten hat.

Multikulti und Offenheit werden in Frankfurt groß geschrieben. Insgesamt 180 verschiedene Nationen haben hier ihr Zuhause gefunden. Sie leben in einer Stadt voller Kontraste, in der Junkies und Banker die gleichen Straßen benutzen. In Sachen Drogenhilfe ist Frankfurt übrigens einer der Vorreiter in der Bundesrepublik. Ganze vier Druckräume befinden sich hier, die den Süchtigen helfen. Und apropos Banker: Wer von der Aussichtsplattform des Main Towers spuckt, trifft garantiert immer einen! Trotzdem ist Frankfurt eine tolerante Stadt. Das deutschlandweit erste Mahnmal gegen Homosexuellenverfolgung findet man in der Innenstadt.
Frankfurter sind oft grummelig und launisch. Nirgendwo erfährt der erschrockene Auswärtige das mehr am eigenen Leib wie in Sachsenhäuser Ebbelwoiwirtschaften - vor allem, sollte er den Fehler begehen, einen Süßgespritzten zu bestellen. Auch im Fußball spiegelt sich das wider: Unsere „Diva vom Main“, die Eintracht, ist das perfekte Ebenbild der Einwohner und spielt ausgezeichnet gegen gute Mannschaften, aber grottenschlecht gegen die dürftigen. Über die Fans kann man viel Negatives sagen, aber im Waldstadion ist auch bei einer 0:3-Niederlage Stimmung. Die Fans der SGE und des FSV Frankfurts sind übrigens Freunde, keine Todfeinde. Einzigartig!
Neben der allseits bekannten Frankfurter Schule nahm hier auch die Neue Frankfurter Schule von unter anderem Robert Gernhardt und F.W. Bernstein ihren Anfang. Aus dem Zusammenschluss von Schriftstellern und Satirikern ging die Zeitschrift „Titanic“ hervor, die ihren Sitz in Bockenheim hat, dazu gehörig ist ebenfalls das „caricatura museum“. Im Grüngürtel findet sich die „Komische Kunst“ von F.K. Waechter wie den Pinkelbaum. In Sachsenhausen ist übrigens der größte stadteigene Wald – und der Nackte Jörg mit angeblicher Kleiderallergie, der seit Jahrzehnten Kultstatus besitzt.

Es war allerdings nicht jeder begeistert von Frankfurt. Heidi packte nach kurzer Zeit in der Großstadt das Heimweh und sie musste zurück in die Berge. Geht es euch auch so?

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