Freitag, 11. Oktober 2013

Buchmesse Tag 2




Mit norddeutschem, trockenem Humor und leicht heiserer Stimme stand Sven Regener (Herr Lehmann, Element of Crime) Rede und Antwort zu seinem neuen Roman "Magical Mystery". Der Roman, dessen Hauptfigur Karl Schmitt, einst bester Freund von Herrn Lehmann, ist, dreht sich um die Technoszene der 1990er-Jahre. Regener erklärte, dass die Kumpels um Karl Schmitt die Technobewegung mit mehr Inhalt füllen wollen und deshalb eine Verbindung zu den Beatles ziehen, getreu dem Motto "unser LSD ist Ecstasy und lieben wollen wir auch alle". Der Interviewpartner, Edo Reents aus der FAZ-Redaktion, hakte nach, warum sich Regener als Rockmusiker denn auf die Electroszene fokussieren würde. Dieser erklärte, seine Frau, die ein Label, das elektronische Musik verlegt, habe ihm die Welt näher gebracht. Nach der Lesung des kürzesten Kapitels (37, "Nazi-Scheiße") sprach Reents ihn auf einen Wutausbruch vor 1,5 Jahre beim Bayerischen Rundfunk an. Regener hatte sich über die Forderung der Piraten-Partei aufgeregt, Künstler politisch komplett zu enteignen. "Kein Künstler sagt etwas, um cool zu sein, also habe ich den Arsch gemacht", erklärte der Autor. Illegale Downloads würde es immer geben, aber als politische Forderung ginge ihm das zu weit. "Ein Künstler ist im Kern immer ein Populist", der auch nur verkaufen wolle, gab er ehrlich zu. Sich selbst zu verlegen und damit Verlage oder Plattenfirmen zu umgehen hält er für schwachsinnig. Wer dies täte, müsse sich am Ende nur noch mit dem bürokratischen Kram auseinandersetzen und hätte fürs Texte schreiben oder Musik machen keine Zeit mehr. Genauso sinnvoll sei es, eine Tankstelle zu pachten, denn auf Tourneen müsse man ja auch tanken, unterstrich Regener augenzwinkernd seine Aussage.


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Andreas Maier liest aus "Die Straße"




Und weil jeder noch so langweilige Mensch meint, seine Autobiographie veröffentlichen zu müssen: Boris Becker im Gespräch auf der ARD-Bühne. Das Buch habe er geschrieben, weil er zuviel "be- und verteilt" worden sei, und er habe nur fünf Prozent von dem, was geschehen sei, veröffentlicht. Zum Amusement der Zuhörer betonte er mehrfach, dass er froh sei um die Presse, denn so würde sich das Buch besser verkaufen, auch über den Twitter-Streit mit Oliver Pocher würde er sich freuen, da dies die Verkaufszahlen noch mehr in die Höhe triebe. Apropo Pocher, den Namen Sandy Meyer-Wölden, so genannt von der Moderatorin, korregierte er beflissentlich mit "Sandy Pocher", ansonsten wusste Bumm Bumm nicht viel Spannendes zu berichten, außer, dass er wohl jetzt Journalist in England sei. Die deutsche Presse möge es ihm danken, dass er diese Tätigkeit nicht hier ausübt.

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