Mittwoch, 2. Oktober 2013

Wiesbaden: Rudersport 1888

Uferstraße 1, Wiesbaden
Mo-Sa 12:00-24:00, So 11:00-24:00 Uhr
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Auf den ersten Blick scheint der Rudersport sich nicht entscheiden zu können, ob er eher rustikal/gutbürgerlich für die Ruderer oder gehobener für die Gäste, die wegen des Rheinblicks kommen, sein möchte, ein Blick in die Karte bestätigt den schizophrenen Eindruck. Der Innenraum ist recht edel gestaltet, die Tische mit weißen Tüchern und Servietten ausstaffiert. Die Terrasse hingegen besteht aus recht lieblos zusammengeklatschten Gartenmöbeln und Plastiktischen. Macht nichts, wenn man den Parkplatz ignoriert, hat man besagten Blick auf den Fluss. Zum Trinken bestellen wir Bitburger (0,3 l zu 2,50 €) und eine Bionade (3 €), die recht schnell vom freundlichen Servicekräften gebracht werden.
Als Vorspeise wählen wir ein „Karotten-Koriandersüppchen mit Karottenchips und Kokos-Crème“ (5,50 €), das mit frischem Baguette gereicht wird. Die Chips sind zwar eher Deko, die Suppe ist aber wirklich phantastisch. Sämtliche Aromen mischen und entfalten sich, das kunstvoll eingerührte Kokos rundet die zweifarbige Karottensuppe perfekt ab.
Frohen Gemütes machen wir uns an die Hauptspeisen, „Schnitzel vom Schwein Wiener Art
mit Bratkartoffeln und kleinem Salat“ (11,50 €) und „Klassischer „Cesar-Salat”, Romana-Salatherzen mit gebratener Putenbrust, Cesar-Dressing, Oliven, Kapern, Croutons und gehobeltem Parmesan“ (14,50 €). Das Schnitzel ist recht geschmacklos und erhält nur durch die ausgedrückte Zitrone an Würze, die Panade ist aber locker und definitiv hausgemacht, die dazu gereichten Bratkartoffeln mit Speck sind nicht zu fettig, höchstens teilweise zu kross geraten. Der schlichte Beilagensalat mit unauffälligem Dressing schmeckt uns richtig gut. Der Cesar-Salat (den wir ohne Kapern bestellen) dagegen ist eine Katastrophe. Was man wissen sollte, wir aber nicht erahnen: Das typische Cesar-Salat-Dressing wird unter anderem aus Sardellen gemacht. Der Koch, der zufällig vorbeiläuft, behauptet, dass dies in der Karte stände (nein). Nun gut, geben wir dem Salat trotzdem eine Chance. Die Cocktailtomaten sind knackig und der Parmesan frisch gehobelt, aber der Salat ertrinkt dermaßen in der Vinaigrette, dass er eher einem Eintopf gleicht und diese Mantschepampe abgesehen von den Dekoblättern, die dem Dressing entfliehen konnten, nicht mal mehr entfernt an Salat erinnert. Für den Preis ist das eine Zumutung.
Wir wagen uns an den Nachtisch. Das „Panna Cotta mit Früchtekompott der Saison“ (5 €) besteht aus zwei kleinen Gläsern mit Panna Cotta, die auf einem Teller mit roten Beeren angerichtet sind. Die Beeren sind viel zu ungesüßt und haben einen recht säuerlichen Beigeschmack und die Panna Cotta-Gläser tragen beide ein Minzblatt zur Zierde, das offensichtlich schon länger darauf verweilt – in beiden Gläschen schmeckt das Dessert ausschließlich nach Minze. Dieser Nachtisch ist aber immer noch besser als das „Sommer-Vergnügen im Glas, pürierte kalte Beeren mit Streuseln, frischem Orangensaft, Vanillecreme“ zu 6,50 €. Die Vanillesauce ist lecker, aber nur in wenigen Tröpfchen vorhanden und kaum ist diese weggelöffelt, ist das restliche „Vergnügen“ nur noch sauer. Die vermeintlichen Streusel sind (wir fragen nach) kandierte Kekse und süß und knackig, schmecken aber alt und können mit ihrer Süße den Rest nicht kompensieren. Meine Begleitung, sonst dessertverrückt, kommentiert das Panna Cotta und das „Vergnügen“ mit den Worten: „Eigentlich möchte ich nicht weiteressen.“ Der Kaffee zum Abschluss ist gut und wird auf der Rechnung vergessen.


Ursprünglich geschrieben für und gesponsert durch Journal Frankfurt - Rhein-Main Geht Aus!

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