Dienstag, 19. November 2013

Nick Cave live in der Stadthalle Offenbach, 13.11.

Ich muss hier erstmal über Offenbach lästern - das Klischee wird halt immer wieder bestätigt. Die wenigen Parkplätze, die zur Stadthalle gehören, sind nicht gut beschildert, nicht ausgeleuchtet und bei einer Großveranstaltung wie einem Konzert von Nick Cave kann es doch nicht zu viel verlangt sein, ein, zwei Ordner einzusetzen, die die Autos einweisen. Nix da, es wurde also in einer kilometerlangen Reihe zwischen Landstraße und Wald geparkt und entsprechend hieß es im Gänsemarsch halb auf der Straße zur Stadthalle laufen. 

Die Sängerin des Vorprogramms, Shilpa Ray, bekam ich weniger mit. Ach ja, beim Anstehen für ein Bier wieder ein organisatorisches Problem: Warum stehen da nur zwei Leute an der Bar? Über Schlangen darf man sich nicht wundern.
Shilpa Ray kündigte ihr letztes Lied damit an, das wär das letzte bißchen "sadness", "then you can take a pill and be happy". Huch - wusste sie nicht, dass nach ihr der Prince of Darkness höchstpersönlich auftreten würde?

Nick Cave, ein kleiner, magerer Mann mit der ewig gleichen Frisur, stürmte mit seiner fünfköpfigen Band auf die Bühne und legte direkt los. Auch später sollte er außer gelegentlichen Fragen, was das Publikum hören wollte (jedes Mal lautes Geschrei - ob er solange wartete, bis er das nächste Lied auf seiner Liste hörte, um dann den "Wunsch" zu erfüllen?), nicht viel reden, auch die Band nicht vorstellen. Das sehr gemischte Publikum war bestens aufgelegt und vergötterte ihren dunklen Prinzen wie einen Sektenführer. Jedes Wort von ihm wurde frenetisch gefeiert, jedes Lied laut bejubelt - es herrschte eine wirklich tolle Stimmung in der vollen Stadthalle.
Nick Caves Performance konnte sich sehen lassen. Er machte rudernde Arm- und Oberkörperbewegungen, die irgendwo zwischen hölzern, semi-lasziv und einfach nur schräg zu verorten sind und rockte damit richtig die Bühne. Gerne ging er zum linken Teil der Stage und ließ sich dort von seinen "Jüngern" anfassen. Auch der Violinist/Gitarrist mit langem Bart stand Nick Cave in Sachen merkwürdigem Auftreten nichts nach und spielte bervozugt mit dem Rücken zum Publikum. Der erste Teil des Sets war viel rockiger, als ich es dem Altmeister zugetraut hätte, das Schreien ins Mikro stand Kurt Cobain in keinster Weise nach, es gab mehrere Tempowechsel und mn wartete nur noch auf Caves Sprung in die Menge. "Jubilee Street", das zweite Lied, wurde auf eine epische Länge gezogen. Später gönnte Cave sich und seinen Fans mit Balladen wie "Love Letter" und "People Ain't No Good" eine Auszeit und setzte sich zu den ruhigeren Tönen ans Piano. Den Song "Mermaids" erläuterte er mit "it's a song about the disappearing of ideas, not about an old guy looking at girls". Nachdem bei den letzten Liedern der Beat wieder härter wurde, verabschiedeten sich Nick Cave and the Bad Seeds mit vier Zugaben, darunter einer tollen Aufführung von "Into My Arms", dem letzten Song.








Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke, eine schöne knackige Review von einem sehr tollen Abend :)

Geschmunzelt hab ich bei "kleiner Mann", weil ich früher auch immer dachte, Mr.Cave sei klein. Er ist aber ziemlich groß, rund 1.90 :)

Isabella Caldart hat gesagt…

na jetzt bin ich baff, auf die entfernung wirkte er wie höchstens 1,70 ;-)

Isabella Caldart hat gesagt…

in 20.000 days on earth sieht man, wie groß er in echt ist ;-)