Montag, 18. November 2013

Portrait: Puttis Strickguerilla


Dass Frankfurt bis auf wenige Ausnahmen keine nennenswerte Street Art-Szene hat, ist bekannt. Aber zum Glück gibt es sie, die Ausnahmen, die unsere Stadt verschönern. Eine davon ist Puttis. Puttis macht Strickguerilla, eine Variante der Street Art, die keinerlei Schaden hinterlässt, da die selbst gestrickten Werke problemlos wieder zu entfernen sind. Das bekannteste Projekt, das Puttis regelmäßig modifiziert, ist der sogenannte Hafenarbeiter auf der Sachsenhäuser Seite der Friedensbrücke, dem gerne mal ein neues Outfit verpasst wird. Das Bild des Hafenarbeiters als Superman hat deutschlandweit Bekanntheit erlangt und wurde von den Machern der Facebook-Site „StreetArt in Germany“ in den kürzlich veröffentlichten Bildband aufgenommen.
Doch wer steckt eigentlich hinter Puttis? In einem Bereich, in dem um einiges mehr Männer als Frauen aktiv sind, hält Puttis dagegen: Sie ist die einzige (mir bekannte) weibliche Street Art-Künstlerin in Frankfurt, die regelmäßigen Output hat. Viel möchte sie nicht über ihre Identität verraten, nur, dass der Name sich von ihrem Nachnamen ableitet, sie 29 Jahre alt ist und gebürtig nicht aus Frankfurt kommt. Seit inzwischen vier Jahren bestrickt sie die Stadt. Nicht nur der Hafenarbeiter muss regelmäßig „dran glauben“, auch viele kleinere Projekte wie Straßenschilder, Fahrradständer und Bäume verziert oder angebrachte Spinnen aus Bommeln in Netzen aus Wolle am Main, findet von ihr, wer die Augen offen hält. Die Statue ist inzwischen aber zu Puttis‘ Lieblingswerk geworden.
Ihre Hauptmotivation ist, den Passanten im „stadtgrau auf dem Weg zur Arbeit“ ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wie sie verrät. Was Puttis auch erfreut, sind die Menschen, die durch Wind und Wetter verrutschte Kleidung des Hafenarbeiters wieder aufhängen. Somit geben sie Puttis auch etwas zurück: Diese Fürsorge bringt dann auch sie zum Lächeln.

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