Freitag, 22. August 2014

Bahnhofsviertelnacht 2014: Kontaktladen Moselstraße 47

Ich stehe der Bahnhofviertelnacht ja sehr zwiegespalten gegenüber: Im Epizentrum (also vor Yok-Yok und Plank) mit tausend anderen Leuten zwischen leeren Bierflaschen rumstehen hat schon vor Jahren jeglichen Reiz verloren, dafür aber besuche ich gerne Einrichtungen, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt.

Dieses Jahr machte ich die Tour des Kontaktladens mit medizinischer Ambulanz in der Moselstraße 47 mit lauter Ü50-Muddis aus MKK mit, die sich einmal im Jahr ins Bahnhofsviertel trauen.
Im Kontaktladen, den es seit 1990 gibt, können Drogenabhängige benutzte Spritzen gegen neue tauschen, außerdem gibt es ein Café, in dem kleine Speisen und Kaffee angeboten werden. Bevor es die Einrichtung gab, gingen Sozialarbeiter mit einem Bauchladen in die Taunusanlage, um sauberes Besteck zu verteilen.
Seit 2002 gibt es die Fegerflotte, deren Hauptaufgabe darin besteht, Spritzen (aber auch anderen Müll) von den Straßen zu sammeln, außerdem verteilen sie aufklärende Aufkleber an KiTas und Schulen in der Gegend. In zwei Schichten, einer Früh- und einer Spätschicht, läuft die Fegerflotte durch das Bahnhofsviertel. Die erste Schicht startet schon um 7:00 Uhr, noch bevor die meisten Geschäfte öffnen. Die Spritzen werden in einem speziellen Eimer gesammelt, der samt Inhalt verbrannt  wird - im Sommer kommen zwischen 800-1200 Spritzen im Monat, im Winter ungefähr 300 zusammen. Natürlich können Anwohner, die benutzte Drogenutensilien finden, auch anrufen, damit diese fachgerecht entsorgt werden.
Finanziert wird die Einrichtung hauptsächlich durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt. Die Mitarbeiter der Fegerflotte verdienen 150 € im Monat, bekommen eine Monatskarte und kostenlos Essen im Café.
Auf der kleinen Tour, die wir danach durch die Niddastraße und einen Teil der Taunusanlage, fanden die drei Männer der Fegerflotte, die uns begleiteten, rund 15-20 Spritzen.



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