Sonntag, 24. August 2014

Fünf unterschätze Lieder von Nirvana

(C) Irgendwer, ich net

Der gute Kurt Kobian, wie ich ihn früher nannte, weilt nun geraume Zeit nicht mehr unter uns - ich wette, heute sähe er aus wie eine krude Mischung aus Mick Jagger, Steven Tyler und Iggy Pop.

Viele Lieder von Nirvana sind heute noch bekannt, vielleicht nicht irgendwelchen H&M-Nirvana-Smiley-tragenden Tusen, aber jedem, der ein bisschen Ahnung von Musik hat schon. Aber es gibt in dem überschaubaren Œuvre dennoch ein paar Songs,die mehr Aufmerksamkeit verdienen, als sie je bekommen haben.


Bleach

Bleach ist Nirvanas erstes Studioalbum, das im Jahre 1989 bei SubPop veröffentlicht wurde, noch mit Chad Channing am Drums. Außer About A Girl, Love Buzz und School sind die Lieder um einiges schwerer und düsterer als von den nachfolgenden Alben. Die zwei Songs, die ich hier vorstelle, sind aber nicht anstregend schrammig, wie man erwarten könnte (wie beispielsweise Negative Creep, das ich gar nicht leiden kann), sondern einfach: schwer und düster.

1) Paper Cuts

Man stelle sich vor: Aberdeen in Washington State, hohe, dünne Bäume en masse, moderndes Laub am Boden, es ist immer dunkel, diesig, nieselig und die Gegend spärlich besiedelt. Wir befinden uns im Sumpf der 1980er Jahre, aber eigentlich steht seit fünfzig Jahren die Zeit still. Also, so stelle zumindest ich mir das Setting vor. Da kann man ja nur diese Musik machen.
Die Geschichte zu Paper Cuts muss ich aus dem Kopf erzählen, also nagelt mich nicht auf Details fest: In Kurt Cobains Nachbarschaft haben Eltern ihre zwei Kinder in ein Zimmer gesperrt, die Fenster waren zugenagelt, Zeitungen dienten als Toilette und zwei Mal täglich warfen sie den Kindern Essen in ihr Verlies. Genug Inspiration für dieses Lied - man beachte den Text.

2) Sifting


Ebenfalls auf Bleach befindet sich Sifting, bei dem die ursprünglich aufgenommene Drumsspur gelassen wurde, da Dale Crover (von den Melvins) härter spielen konnte als Chad Channing. Während mir die Strophen nicht übermäßig zusagen, finde ich den Refrain, der nur aus einem genuschelten "Don't have nothing for you" besteht, total hypnotisch.


Incesticide

Kann auch nicht jede Band: Die 1992 veröffentlichte Platte ist kein Studioalbum, sondern eine Zusammenstellung aus B-Seiten und Outtakes aus nur wenigen Jahren (1988-1991) Bandgeschichte und trotzdem ein phantastisches Album.

3) Big Long Now


Mit dem Lied wird's nicht wirklich fröhlicher, es geht sogar noch eine Spur depressiver als zuvor. Macht nichts, der Gesang des guten Kurts ist magnetisierend (ich mag diese Superlative eigentlich nicht, aber hört doch mal rein!). Das Lied wurde zwischen den Jahren 1988/89 aufgenommen und ist mit Chad Channing am Drums. Laut der sehr zuverlässigen Website LiveNirvana.com gibt es keine Liveaufnahmen von Big Long Now.


In Utero

Da isses schon, das dritte und zugleich letzte Album von Nirvana, das im Herbst 1993 auf den Markt kam. Für mich ist es eine gelungene Weiterentwicklung aus Bleach und Nevermind: Die Lieder sind nicht mehr so schwer zugänglich wie auf der ersten Platte, aber auch nicht mehr so poppig und radiotauglich wie auf Nevermind.

4) Milk It


Milk It ist auch kein wirklich fröhlicher Song, aber hey, wir reden hier halt von Nirvana. Zumindest ist er um einiges energiegeladener als die oberen drei, auch wenn der Refrain (angelehnt an Always Look on the Bright Side of Life?) auf die schönen Seiten des Suizids verweist. Mir persönlich gefällt der mehrfach Rhytmuswechsel zwischen fast gesprochenen Zeilen und dem stark gitarrenlastigen Chorus sehr gut.


With The Lights Out

Die große Compilation, bestehend aus drei CDs und einer DVD, wurde im Jahre 2004 veröffentlicht.

5) Sappy


Sappy, vor dieser Zusammenstellung auch bekannt als Laundry Room oder Verse Chorus Verse, war früher nur auf zahlreichen Bootlegs erhältlich. Das Lied datiert zurück auf die Anfangszeiten von Nirvana. Sappy ist der poppigste Song in meiner kleinen Liste, macht aber auch Spaß!

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