Samstag, 4. Oktober 2014

Clubkeller, die Zweite

Da haben ptrk9000 und ich doch eine Diskussion vom Zaun getreten. Wen's interessiert, so ging es weiter:

Was soll ich sagen? Vielen wird eine Funzel aufgehen, wenn ich schreibe: Am Ende landeten wir im Clubkeller. Warum nur? Warscheinlich, weil man dort das Monopol des frühmorgendlichen Getränkeausschanks innehat, der letzte Zapfhahn vor dem Dunkel des Heimwegs. Ich unterstelle auch einmal, dass man nicht in Erwartung eines dedizierten Afterhoursets die steile Treppe herunterfällt, sondern einfach nur der Gleichung ohnhinfällt: Musik = Getränkeausschank.
Schön und gut. Was mich nur nachhaltig geärgert hatte, war die Tatsache, dass wir für das eine Getränk teuer bezahlen mussten, nämlich den vollen Eintrittspreis, was um kurz nach 5 Uhr einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Da half kein Feilschen und kein freundliches Nachfragen, wer Kafkas „Vor dem Gesetz“ kennt, wird wissen, was ich meine. Nun gut, wieder etwas dazugelernt.

Quelle: Je tiefer die Nacht...

Desweiteren schreibt besagter Kolumnist in Facebook dazu, "Und ich war in der Beschreibung sehr freundlich, zurückhaltend und nahezu kuschelig, eben so, wie man mich kennt."


Nun kam die Reaktion des Clubkellers, gepostet ebenfalls in Facebook:

Hallo zusammen,
ich bin erstaunt, daß eine kleine Änderung bei uns solche Reaktionen hervorruft. Wir haben unsere Eintrittspolitik der Situation bei uns im Club und dem veränderten Ausgehverhalten angepaßt. Der Clubkeller ist der späte Nachtclub in Sachsenhausen und 5 Uhr ist bei uns längst nicht mehr kurz vor Schluß, denn der Laden läuft immer bis 7 oder 8 Uhr.
Das Geschehen hat sich zeitlich verlagert, darauf wurde reagiert und teuer ist der Clubkeller nach wie vor nicht. Die Tür läßt gg. Ende der Nacht wie immer mit sich reden, aber eben nicht mehr so früh, mitten in der Nacht. Und bisher hatten wir an der Tür fast keine negative Resonanz.
Seid doch froh, daß es immer noch einen lustigen Nachtladen gibt um die Ecke und daß wir im Frankfurter Nachtleben nach wie vor mit moderaten Eintritts- und Getränkepreisen arbeiten. Das sieht in München, Paris oder London ganz anders aus.
Zur anderen Kritik:
- wir sind und waren nie der Treffpunkt für Alternative und Metaller, das ist und bleibt das CAVE! Ein nach wie vor sehr geiler Schuppen, wie der Clubkeller in die Jahre gekommen, aber immer noch geil. Leider aber wieder voll verraucht.
- In unserem Raucherbereich wurde die Lüftung renoviert, cool tapeziert, neue Lampen und eine Bar eingebaut. Meines Wissens frankfurtweit die Einzige in einem solch kleinen Räumchen, damit die Raucher es gemütlicher haben. Neue Sitzbänke kommen noch dieses Jahr, dann ist das ein hübsches Kabuff m. schummrigem Ambiente und eigener Bar nur für Raucher!
- unsere stets gewartete Bierkühlung funktioniert tadellos, wir haben die besten deutschen Biere und unser Mexikaner erfreut sich größter Beliebtheit.
[...]
Veränderungen wird es leider immer wieder geben, denn auch der gute alte Clubkeller muß dynamisch bleiben. Die Erde dreht sich jeden Tag.
Ein schönes und langes Nachtleben wünsche ich.
Grüßle Andi König.

Da ich kein "Facebook-Freund" des Clubkellers bin und meine Freundschaftsanfrage zwecks Stellungsnahme noch nicht akzeptiert wurde, tue ich das halt hier:


Hallo Andi,

„dynamisch“ ist ein netter Euphemismus für latente Abzocke. Auch wenn der Clubkeller von mir aus noch zwei weitere Stunden geöffnet hat, empfinde ich diesen Eintrittspreis um diese Uhrzeit als absolut ungerechtfertigt – von einem Laden, der mir sympathisch ist und nicht Living o.ä. heißt, habe ich mir anderes erhofft. Ich habe am Tag drauf genug Leute zu ihrer Meinung befragt, alle waren einstimmig meiner Meinung, also kann ich (und ich rede hier nur für mich, Herr Ptrk wird sich garantiert noch äußern) zumindest das behaupten: Mit meiner Einschätzung, dass diese Politik daneben ist, stehe ich nicht gänzlich alleine da. Für mich ist die Konsequenz, einfach nicht mehr zu kommen (oder halt früher, klar, aber auch das werde ich mir überlegen).
Zum Rest: Das mit dem Raucherraum etc. war keine Kritik (nur der Mexikaner ist echt nicht der Knüller, seien wir ehrlich), sondern im Gegenteil meine subjektive Wahrnehmenung des Clubkellers und eine etwas verquere Liebeserklärung die zeigen soll, dass ich die Unvollkommenheit ja eigentlich sehr zu schätzen weiß. Die Formulierung „Alternative und Metaller“ zu korrigieren, ist ein bisschen korinthenkackerisch – davon abgesehen, wie nennst du die Leute sonst? Hipster? Ist ja auch wurscht. Will sagen: Eigentlich mag ich den Clubkeller. Und deswegen war ich umso enttäuschter und habe meinem Unmut auch kundgetan. Dass wir beide in dieser Hinsicht nicht einer Meinung sind, war schon im vorneherein klar.

Liebe Grüße,
Isabella


PS: Hiermit hat sich für mich die Diskussion auch erledigt.

Kommentare:

skFFM hat gesagt…

Ich weiß gar nicht wer irgendwann mal diese Unsitte gestartet hat, nicht am Ort des Ausgangspunktes, in diesem Fall hier im Blog, weiterzudiskutieren, sondern jeglichen Rotz auf Facebook (*seufz*) weiterzuführen, deswegen Danke für das Update hier.

Zur Sache kann ich nichts beitragen, aber ich fand, man konnte Deinen Text schon entnehmen, dass Du dem Laden eigentlich etwas abgewinnen kannst. Nur die Wenigsten verstehen, dass Kritik, besonders wenn sie mal über einen Satz hinausgeht ("FB-Diskussions-Kultur") oft von Leuten kommt, die sich mit einer Sache intensiver auseinander gesetzt haben, sie meistens eigentlich sogar mögen.

Es scheint wohl generell so, dass sich einige Macher/Macker in Frankfurt schnell auf den Schlips getreten fühlen und nur bedingt verstehen, dass a) der Kunden/Gast/Besucher (egal welche Branche) der wichtigste Bestandteil eines jeden Geschäftes ist. Deswegen sei mir abschließend dieser friendly reminder gestattet: "Es hat noch nie jemand einen Streit mit einem Kunden gewonnen."

Isabella Caldart hat gesagt…

"Nur die Wenigsten verstehen, dass Kritik, besonders wenn sie mal über einen Satz hinausgeht oft von Leuten kommt, die sich mit einer Sache intensiver auseinander gesetzt haben, sie meistens eigentlich sogar mögen."

danke, so sieht's nämlich aus, das war ja, was ich in teil 1 meines "offenen briefes" ausdrücken wollte (hab halt nur nicht gesagt im clubkeller ist alles sususupa, da kam das wohl nicht an)